Kaum gelernt, schon wieder vergessen?

Leider braucht unser Gehirn die mehrmalige Wiederholung, bis es neue Informationen ins Langzeitgedächtnis schubst und wir uns die Dinge langfristig merken können. Ansonsten scheint unser Hirn eher einem Sieb zu gleichen. Aber smart wiederholt, können wir uns ein gigantisches Wissensnetzwerk aufbauen.


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Das Phänomen kennen wir leider alle: wir lernen etwas, und kurze Zeit später sind die neuen Erkenntnisse schon wieder vergessen. In der Schule war es bei mir meistens so, dass ich mir den Lernstoff gerade bis zur nächsten Prüfung merken konnte. Kaum waren die Fakten aufs Papier gebracht, schien mein Gehirn das eben Gelernte wieder auszusortieren und Platz zu machen für Neues. Nur die Dinge, die mich wirklich interessiert haben, oder die ich regelmäßig angewendet habe, sind hängen geblieben.


Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus

Der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus hat 1885 die sogenannte Vergessenskurve veröffentlicht. Er hat entdeckt, dass wir bereits nach 20 Minuten nur noch 60 Prozent des Gelernten wiedergeben können. Erst mit gezielten Wiederholungen, dem sogenannten Spacing-Effekt, wandern die Infos nach und nach in unser Langzeitgedächtnis.


Aber jetzt mal im Ernst: wem macht es schon Spaß, die gleichen Fakten immer und immer wieder zu wiederholen? Deinem Kind wäre es bestimmt auch lieber, die neuen Vokabeln würden nach dem ersten Mal sofort für immer abrufbar sein. Da das leider nur selten gelingt, ist es umso wichtiger, dass wir unserem Gehirn den Lernstoff möglichst spannend, witzig und emotional aufbereiten und möglichst an bereits bekanntes Wissen anknüpfen. Mit Mnemotechniken klappt das besonders gut. Denn bei der Loci-Methode merkst du dir zum Beispiel den Ort, wo du das Wissen abgespeichert hast - wie in einem großen, sortierten Archiv und kannst daher das Wissen schneller und gezielter wieder abrufen.

Mit der Loci-Technik (auf die ich unbedingt in einem anderen Beitrag mal genauer eingehen muss, weil es meine Lieblingstechnik ist ;-)) vermeidest du, dass das neue Wissen in dem Wirrwarr aus vielen kleinen Wissenshäppchen verloren geht und du zwar genau weißt, dass du die Infos gelernt hast, sie aber nicht mehr wiederfindest und somit nicht mehr abrufen kannst. Stell' dir das vor wie ein Labyrinth, bei dem du den richtigen Weg zum Ausgang nicht mehr findest.


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Wie viele Wiederholungen brauchen wir?

Wenn ich mit Lernkindern arbeite und ihnen die Loci-Technik beibringen will, verwende ich auch gern das Bild vom Labyrinth. Es ist nicht einfach, Kinder davon zu überzeugen, dass Wiederholungen wichtig sind. Aus der Vergessenskurve nach Ebbinghaus ergibt sich, dass wir neuen Lernstoff am besten am selben Tag das erste Mal wiederholen sollten. Bevorzugt kurz vor dem Schlafen gehen, da die Infos über Nacht im Gehirn verarbeitet werden. In den Tagen/Wochen danach sollte der Lernstoff noch mindestens weitere 4 Mal in immer größer werdenden Abständen wiederholt werden. Jede weitere Wiederholung verstärkt die entsprechenden Nervenbahnen im Gehirn und verfestigt das Wissen. Und je größer das Wissensnetz ist, desto mehr Anknüpfungspunkte hat es und Neues kann schneller abgespeichert werden.


Was hilft sonst gegen das Vergessen?

Um dem Vergessen entgegen zu wirken, kannst du noch auf ein paar andere Dinge achten. Zu viel Input auf einmal kann unser Gehirn nicht verarbeiten, deshalb sollte der Lernstoff in Etappen eingeteilt und gezielte Pausen mit eingeplant werden. Denn das, was wir zu Beginn und am Ende einer Lerneinheit lernen, merkt sich unser Gehirn am besten. Also lohnt es sich, viele Anfänge und Enden zu generieren.


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Wenn du mir schon länger bei Instagram oder Facebook folgst, sind dir meine Tipps wie frische Luft tanken, Entspannung und ausreichend viel Schlaf sowie viel Wasser und gesunde Ernährung bereits bekannt. Aber ich kann es einfach nicht oft genug erwähnen.


Jetzt bist du dran: mach' dir am besten einen Lernplan und plane genügend Zeit für Wiederholungen ein. Auch wenn es dir im Moment noch lästig erscheint, wirst du langfristig davon profitieren!



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