Wenn Mama in die Trickkiste greift

Heute erzähle ich euch eine kleine Erfolgsgeschichte aus meinem Alltag als Lerncoach und Schulkind-Mama. Wie mein Sohn an den unregelmäßigen Verben in Englisch erst fast verzweifelt ist und am Ende mit einem strahlenden Gesicht sogar mehr Wörter lernen wollte, als nötig.



Klebezettel, unregelmäßige Verben, Englisch, Vokabeln
Foto: Kerstin Bertsch

Auch als Lerncoach-Mama hat man es nicht immer leicht! So viel und gerne ich anderen Kids tolle Lerntechniken und Strategien an die Hand gebe, die das Lernen einfacher machen, beiße ich bei meinem Sohn da oft auf Granit. Dasselbe bestätigen mir andere Lerncoach-Kollegen/-Kolleginnen auch: die eigenen Kids wollen oft nichts von diesen tollen Lerntechniken wissen und reagieren eher genervt.


Ach, du immer mit deinem Lerncoaching

Mein Sohn (aktuell 6. Klasse Gymnasium) hat schon oft welche angewendet und auch festgestellt, dass es super gut funktioniert. Ich hab noch nicht herausgefunden, warum er sich selbst das Leben dennoch oft schwer macht – aus Sturheit vielleicht… - und meistens erst mal auf alte Lernmethoden und Gewohnheiten zurückgreift. Irgendwie scheint er diese „Niederlagen“ immer zuerst zu brauchen, bevor er meine Tipps annimmt. Schade, denn wir könnten uns viel Frust und Tränen sparen.


So war es auch letztes Wochenende wieder, als es darum ging, sich eine Liste mit unregelmäßigen Verben für Englisch einzuprägen. Du erinnerst dich sicher: to do, did, done – to catch, caught, caught, to draw, drew, drawn usw.

Da hat er sich hingesetzt und sich die zu lernende Liste mit gelangweiltem Gesicht ein paar Mal unmotiviert durchgelesen. Als ich ihn dann abfragen sollte, ist das passiert, was in solchen Situationen immer passiert: er konnte nur die allerwenigsten und hat viel geraten. Mit jeder falschen Antwort vergrößerte sich sein Frust und die Laune sank natürlich total in den Keller. Schnell musste er feststellen, dass es SO wohl nicht gut funktioniert. Mein Sohn gibt sich dann immer selbst die Schuld, dass es nicht klappt und fühlt sich dumm und schlecht. Dabei liegt es ja gar nicht an ihm, sondern an der ungünstigen Lernweise. Am Ende sind – auch wie so oft – dann sogar Tränen geflossen.

Die Sache mit den Klebezetteln

Da meinem Kind außer einem Achselzucken keine Idee eingefallen ist, wie er sich die unregelmäßigen Verben besser und mit mehr Spaß merken könnte, schlug ich was vor.

Ich bat ihn, alle Wörter auf Klebezettel zu schreiben - und zwar jeweils eine Verbform pro Zettel und auch die Übersetzung extra. Die Grundformen hat er in einer anderen Farbe geschrieben als die 1. Vergangenheitsform, und auch die 2. Vergangenheit und die deutsche Übersetzung bekamen je eine andere Farbe. Eine Alternative wäre natürlich gewesen, die Zettelfarbe zu ändern, wir hatten aber nur gelbe zuhause 😉

Das war natürlich erst mal eine lästige Aufgabe mit dem Abschreiben, aber das war gleichzeitig schon eine Beschäftigung, eine Wiederholung der Wörter und Training der richtigen Schreibweise. Anschließend habe ich die Zettel überall im Haus verteilt. Da sie nicht so gut geklebt haben und ständig abgefallen sind, hab ich sie am Ende halt nur am Boden ausgelegt.

Kaum war ich fertig, hat sich mein Sohn in eine wahre Motivationsmaschine verwandelt. Er ist wie eine Rakete durchs Haus geflitzt und hat alle Klebezettel wieder eingesammelt (und es waren nicht wenige, wie du auf dem Bild unschwer erkennen kannst 😉) und richtig zugeordnet. Er kam ganz schön aus der Puste, weil die Zettel im EG und 1. Stock verteilt waren. So haben wir also im zweiten Schritt die Verbformen + Übersetzung mit Bewegung geübt und er hatte offensichtlich sehr viel Spaß dabei.


Also mein Tipp: habt immer einen Vorrat an Klebezetteln zuhause 😊


Wie ein Zauberwürfel zur Lernhilfe wurde


Rubiks Cube, Zauberwürfel, Rätsel, Gehirnjogging
Foto: Kerstin Bertsch

Am nächsten Tag wollte ich mit meinem Sohn die Verben nochmal wiederholen. Erst dachte ich, ich verteile die Zettel nochmal im Haus. Aber er hatte dann plötzlich noch eine andere geniale Idee. Du musst wissen, dass er seit ein paar Tagen für sich selbst geübt hat, den Rubiks Cube – diesen Zauberwürfel zu lösen. Und auch an besagtem Tag fand ich ihn mit dem Würfel in der Hand auf dem Sofa sitzen. Spontan sagte er: "Okay, du darfst mich die Verben abfragen, während ich den Würfel löse." Hmm, ob das klappt? Ich war skeptisch. Seine Idee: Das Lösen des Zauberwürfels folgt einem bestimmten Algorithmus und man dreht nach einem bestimmten System. Also haben wir vereinbart, dass ich ihn jedes Mal, wenn er eine bestimmte Drehabfolge macht (die bei ihm "der Aufzug" heißt), ein unregelmäßiges Verb abfrage. Stimmt die Antwort, darf er mit dem Lösen des Würfels weitermachen, ist die Antwort falsch, darf ich ihm den Würfel um 3 Drehbewegungen wieder durcheinander bringen.

Du glaubst gar nicht, was das für eine riesen Motivation für ihn war. Er hat sich richtig arg darauf konzentriert, mir die richtige Lösung zu sagen, damit ihm der Würfel nicht zu oft wieder „kaputt“ gemacht wird. Es waren nur 2 oder 3 falsche Antworten dabei und in kürzester Zeit war nicht nur der Würfel gelöst, sondern uns sind auch die abzufragenden Wörter ausgegangen.

Was für ein grandioses Ergebnis! 😊


Natürlich muss dein Kind jetzt für den Lernerfolg nicht unbedingt einen Zauberwürfel lösen können. Viel mehr ist es ein gutes Beispiel dafür, dass wir bei Kids oft viel mehr beim Lernen erreichen, wenn wir auch mal ungewöhnliche Methoden einsetzen. Überlege doch mal, was dein Kind gerade gerne macht und versucht daraus gemeinsam eine Idee zu entwickeln, das ins Lernen einzubauen. Dein Kind wird mit großer Wahrscheinlichkeit viel motivierter sein und sogar zum Gernelerner. Wenn du dich auf die Ideen deines Kindes einlässt, hat das natürlich ganz nebenbei noch viele weitere tolle Effekte: dein Kind merkt, dass es selbst und seine Ideen geschätzt/gesehen wird. Und es werden jede Menge Glückshormone ausgeschüttet, die mit jedem kleinen Lernerfolg einher gehen und die motivieren dann wiederum zum Weitermachen.


Wenn ihr eine tolle Lernidee entwickelt habt, schreib mir doch gerne und berichte davon. Wäre toll, wenn so nach und nach eine große Ideenliste zusammen bekommen würden.


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